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Bordfunk – Wilde Nächte und ankommen

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Wenn die Sonne die Wolken durchbricht, immer wieder ein magischer Moment



 

Ein jeder Törn ist anders und dieser sehr speziell

Nach dem ersten langen Schlag nach Helgoland kam die ernüchternde Nachricht von Svenja, dass sie ihr Segelabenteuer an diesem Punkt beendet. Zu sehr hat sie die Übelkeit der ersten Meilen mitgenommen, zu sehr vermisst sie aber auch den Kontakt zur Familie. Immerhin, sie weiß was sie will und hat dennoch viele Erfahrungen mitgenommen. Mit der verbleibenden Crew sind wir dann entspannt in den Sonnenuntergang gesegelt, das nächste Etappenziele wäre Schevenningen gewesen. Doch unterwegs kam wieder der Klabauter an Bord und hat den Mädels so sehr den Magen verdreht, dass wir uns für einen Zwischenstop auf Borkum entschieden haben. Nur eine kleine Stippvisite, um die Mägen wieder zu beruhigen. Mit einem etwas mulmigen Gefühl gings dass auf die vorletzte Etappe, wieder mit Ziel Schevenningen. Doch dieses mal kam vieles anders: schönes Wetter, guter Wind und so gar kein Anflug von Übelkeit. Als wir schon auf Schevenningen zufuhren, kam dann die spontane Entscheidung, einfach weiterzufahren. Es ist wie es ist: einmal drin im Segelmodus, vermisst man den Landgang gar nicht mehr. Wieso auch unterbrechen, wenn doch alles funktioniert und wir doch ein gemeinsames Ziel erreichen wollen?

Das ist der Unterschied zum Urlaubssegeln, dort wird nur der Muße wegen gesegelt und schnell überkommt die Bequemlichkeit den Ehrgeiz. Gut, dass wir keine Urlaubssegler sind.

Als nächsten Stop wollten wir Breskens anlaufen. Auch deswegen, weil dies der erste Heimathafen unserer Magic war, den der Ersteigner Piet Vroon ausgekoren hat. Doch Breskens war dann kurz vor der „Ausfahrt“ auch nicht so einfach anzulaufen. Entweder wird ein Flachstück weit südlich umfahren, oder man wählt einen engen Kanal, der nach den damaligen Walfängern benannt ist, und nur knapp ausreichend Tiefe bietet. Also wieder kurz vor dem Etappenziel umentschieden und wir fahren weiter. Jetzt heißt das neue Ziel: Zeebrugge.

Wie in aller Welt kamen wir nur auf die Idee. Zeebrugge ist tatsächlich nur ein Hafen, kaum Stadt oder Altstadt säumen die Anleger. Selbst die Kirche, sonst der Ort des Geschehens, steht ziemlich verloren an einer breiten Straße. Zeebrugge ist, wie wir erst hier erfahren, der „Vorhafen“ von Brugge, und Brugge wäre so eine Stadt gewesen, die sicherlich einen Besuch rechtfertigt. Also rein in die schicken „Container-Duschen“ und früh am nächsten Tag auf zur letzten Etappe.

Kurz nach Calais queren wir den Ärmelkanal, sehen die Kreidefelsen von Dover und malen uns schon die Ankunft in Cowes aus… der abendliche Wind trägt uns auf einem angenehmen Halbwind-Kurs direkt zu unserem Ziel, die Wettervorhersage war gut. Aber dann trifft und gegen 22:00 Uhr ein heftiges Böenfeld. Dass wir aber auch genau in diesen zwei Stunden und genau in dieser Ecke unterwegs sein müssen. Der Windmesser klettert teilweise auf über 50 Knoten Wind und schnell bergen wir alle Segel. Das ging gerade so gut und wir motoren nun weiter. Der Himmer verdunkelt sich, zeitweise blitzt und donnert es hinter uns. Aber die Crew bleibt ohne mulmiges Gefühl, sie vertrauen den beiden Skippern die routiniert mit der Situation umgehen. Es ist ein Südwind, der warme Luft mit sich bringt. Am Himmel bzw. den Wolken hat man die Wetteränderung schon vorher ablesen können, hinzu kamen die heißen Temperaturen, die viel Energie in die Wolken gepumpt haben, die sich nun entlädt. Alle paar Minuten dreht der Wind ein wenig mehr auf Süd und bläst uns derart warm ins Gesicht, dass man meinen könnte, die Franzosen hätten einen riesigen Föhn angeworfen. Es fühlt sich an wie etwa 40° C. Wenige Sekunden später wieder frische, etwa 18° „warme Luft“. Und dann kommt der Regen und die Wellen, die sich während der heftigen und kurzen Böen noch nicht aufbauen konnten.

Jetzt gehts richtig los, also im Sinne von „Segeln im Wachrythmus“. Die Crew ist mit je einem Skipper in Wachen eingeteilt, etwa 4 Stunden je Wache. Doch tatsächlich wechseln wir dann so, wie wir gerade fit, warm und hungrig sind. Felix, der Nachwuchs-Skipper, reißt die Nachtschicht an sich und segelt dann sogar bis fast in den Morgen durch. Solch ehrlich heftiges Segelwetter kann auch Spaß machen und ein echter Skipper sucht ja auch die Verantwortung für das Wohl von Crew und Schiff. Statt im Morgengrauen Eastbourne anzulaufen, entscheiden wir uns wieder dafür, einfach weiterzusegeln und kommen dann kurz nach Mittag in Cowes an. Cowes bergrüßt uns mit viel hektischen Treiben, denn einige große Segelevents wie Cowes Week und FastnetRace stehen an. Aber viel wichtiger oder viel schöner, die letzten Meilen von Portsmouth bis Cowes sind wir gesegelt, also ohne den nervigen Motor, der uns durch die Wellen der Nacht so weit gebracht hat. Nur mit der Kraft des Windes und ohne das lästige Dieselgeräusch, genießen wir einen fulminanten Abschluss der Tour. Einige andere Segler bleiben dabei ganz klar auf der Strecke, denn die Magic segelt auf der Kreuz einfach herrlich schnell und schafft beeindruckende Wendewinkel. Ein paar Motorbootfahrer müssen auch dran glauben, denn als Segler müssen sie uns ausweichen. Helena, Yvonne, Jasmin und Paz grinsen wie nur echte Segelrebellen grinsen können: ausgelassen und fast im Kreis, wären da nicht die Ohren. Die häufigen Wenden locken sogar Felix aus der Koje.

Nach dem Pub-Besuch gibts noch einen kleinen Party-Abstecher und am nächsten Tag wird nochmal auf der Kreuz nach Southampton gesegelt, wo dieser Törn nun endlich, oder auch schon viel zu früh, sein Ende findet.

Vielen Dank allen die dabei waren, allen die mitgefiebert haben und auch allen die das durch ihre Spenden und Engagement ermöglicht haben. Ahoi, Ahoi, Ahoi!

Unsere Kosten für unsere Törns, liegen bei knapp 1600 €/Teilnehmer. Ganz schön viel Geld, doch weniger als eine Reha oder ein ganzes Jahr selbst nicht mehr arbeiten zu können. Jede Spende, ob 20 € oder 1000 € hilft, um all das möglich zu machen. Spenden kannst du zudem steuerlich geltend machen und viel schöner: jungen Menschen mit Krebs die Teilnahme an spannenden Abenteuern auf dem Meer ermöglichen.


Unsere Törns sind nachhaltig und inspirierend, nicht nur für unsere Teilnehmer, sondern auch für Spender, Freunde und Betroffene, die nicht mitsegeln können oder wollen. Dabei entstehen Kosten von etwa 1600 € pro Teilnehmer für die ganze Organisation, den Erhalt des Schiffs sowie Anreise der beiden Skipper. Ganz schön viel Geld, doch gemessen an den positiven Effekten, auch viel Wasser auf den heißen Stein. Segeln wirkt und unsere Herangehensweise motiviert zu mehr. Bist auch du motiviert uns zu unterstützen, damit all das überhaupt möglich wird? Jede Spende hilft, ebenso Spendenaktionen zu verschiedenen Anlässen und die Weiterempfehlung an Freunde, Kollegen oder gar Betroffene.

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